Die Mädchen von Zimmer 28
Zwölf bis vierzehn Jahre alt waren die Mädchen, die von 1942 bis 1944 im "Mädchenheim L 410, Theresienstadt" zusammen lebten;
30 Quadratmeter für 30 Mädchen, das war das "Zimmer 28".
Sie waren Ghetto-Häftlinge aus dem "Protektorat Böhmen und Mähren", die nach dem Einrücken deutscher Truppen Schritt für Schritt ihrer Heimat, ihres Eigentums, ihrer Menschenrechte beraubt und schließlich ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurden.
Dort, im "Zimmer 28", trafen ihre Wege aufeinander ...
Im Mikrokosmos "Zimmer 28", dem Brenn- und Kristallisationspunkt des Projektes und der Ausstellung, spiegeln sich das Schicksal und der Alltag der Kinder im Ghetto Theresienstadt,ein Alltag, der den Kern der kommenden Tragödie bereits in sich birgt.
Immer wieder wurden Kinder jäh aus ihren Reihen gerissen; sie mussten antreten zum Transport nach Osten. Neue Mädchen kamen, neue Freundschaften entstanden. Dann wurde auch diese Gemeinschaft durch Transport erschüttert.
Doch auch ein anderer Kern wird sichtbar: die Erziehung zur Menschlichkeit. Hier geht es um mehr als "eine Geschichte zum Holocaust". Zuweilen erlebten die Mädchen das "Zimmer 28" als eine Insel der Freundschaft und der Hoffnung.
In der Obhut engagierter Betreuer lernten sie, spielten und sangen sie oder führten die Kinderoper "Brundibár" auf. Sie wuchsen zu einer Gemeinschaft zusammen, die sich eine eigene Hymne und Flagge schuf und die eine Organisation gründete, den "Maagal" - hebräisch für "Kreis" und im übertragenen Sinne "Vollkommenheit".
Mit der Ausstellung wollen die Zeitzeuginnen, die in tiefer Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Mitgefühl und Toleranz verbunden sind, der im Holocaust ermordeten Freunde gedenken und das aufopferungsvolle Wirken vieler Erwachsener im Theresienstädter Ghetto würdigen.
Weitere Informationen:
Deutscher Bundestag, Politisch, parlamentarische Ausstellungen 2008
